Diese Seite ist noch im Aufbau...also schimpfen Sie nicht gleich, wenn es hier ein bisschen drunter und drüber geht. Wahrscheinlich wimmelt sie noch von Fehlern; bestimmt fehlt noch vieles. Aber ich arbeite dran. Versprochen.

 

 

Wenn Sie auf der B7 zwischen Hessisch Lichtenau und Fürstenhagen unterwegs sind, kommen Sie an einem verborgenen Juwel vorbei, welches deutschlandweit einmalig ist. Sie müssen schon genauer schauen, denn es ist hinter Bäumen verborgen und nicht sofort sichtbar. Dabei verdient dieses Juwel aus vielerlei Gründen ihre Beachtung. Wegen seiner Geschichte. Seiner Einmaligkeit. Wegen der Menschlichkeit, der Liebe zu den Menschen. Und aus einer ganzen Anzahl anderer Gründe. Und ich möchte Sie einladen, diesen Ort und seine Geschichte kennen zu lernen. Einen Ort, der in seiner Idylle Frieden schenkt. Der einlädt, darüber nachzudenken, was in diesem Leben wichtig ist. Der von der Liebe erzählt; der Liebe zu den Schwächsten in unserer Gesellschaft: den Kindern. Einem Ort, der von einer großen Idee erzählt. Einem großen Menschen, der sein Vermögen opferte, um Waisenkindern eine Heimat, eine Familie zu schenken. 

Das Mausoleum der Brüder Lenoir in Hessich Lichtenau/Fürstenhagen.

 

Es ist schwierig, in kurzen Worten eine Geschichte zu erzählen, die so vielfältig ist. Eine Geschichte, die nicht nur die architektonischen Details, die Jahreszahlen, das aufgewendete Vermögen oder ähnliches erzählt und dabei das wesentliche auslässt: Die Frage nach dem Warum. Und vor allem diese Frage versuche ich, zu beantworten. Um einem großartigem Menschen gerecht zu werden, der sein Vermögen dafür verwendete, Waisenkindern ein wahres Zuhause zu ermöglichen. George Andre Lenoir.

 

"Dem Wunsche, armen Waisenkindern in ihrer Jugend das Elternhaus zu ersetzen, sie zu rechtschaffenen, körperlich und geistig gesunden Menschen zu erziehen und ihnen auch im späteren Leben treu zur Seite zu stehen, verdankt diese Anstalt ihre Entstehung; möge sie ihren Zweck mit Gottes Beistand zum Segen vieler Geschlechter erfüllen.

George André Lenoir"

 

so lautete die Inschrift der Tafel, die Lenoir in den Räumen seiner Stiftung anbringen ließ. Dabei wird schon deutlich, dass sich seine Sorge um seine "Waisenkinder" nicht nur auf die Zeit beschränkte, die sie in seiner "Anstalt" verbringen würden. Vielmehr wollte er ihnen - durch seine Stiftung - zeit ihres Lebens zur Seite stehen, sie auf ihrem Lebensweg begleiten. Dies war nicht nur eine Phrase. Eigens dafür gründete er eine weitere Stiftung, die für die in Not geratenen ehemaligen "Stiftlinge" zugänglich sein sollte. Er betrachtete die Waisenkinder als seine Kinder; und so, wie man seinen eigenen Kindern nach Kräften zur Seite steht, so wollte er dies auch über deren Jugend hinaus tun. 

Wer war also dieser Mensch George Andre Lenoir?

Geboren wurde er am 5.2.1825 in Kassel. Er lebte in einer glücklichen, liebevollen Familie. Nicht vermögend, nicht von höherem Stand. Sein späteres Vermögen wurde ihm nicht in die Wiege gelegt; wohl aber seine Liebe zu den Menschen, sein Familiensinn.  Er studierte unter so berühmten Professoren wie Wohler, Liebig und Bunsen Physik und Chemie und ging später nach Wien, wo er mit einem chemischem Labor und einer Werkstatt zur Herstellung von wissenschaftlichen Instrumenten und Lehrmitteln für Chemie und Physik den Grundstock zu seinem Vermögen legte. Für seine Verdienste um den Unterricht erhielt er u.a. auf der Weltausstellung in Paris 1878 die goldenen Medaille, das Ritterkreuz der Ehrenlegion sowie die Palme eines Officier d´Academie. Zudem erwarb er große Ländereien, Steinbrüche und einige Patente, die - verbunden mit geschickten Anlagen - sein Vermögen beträchtlich vermehrten. George André Lenoir fehlte in seinem Leben eigentlich nur eines. Eine eigene Familie. Er hatte niemals geheiratet und keine eigenen Kinder. Dabei liebte er Kinder; sie waren für ihn etwas kostbares.

So reifte bei ihm der Gedanke, einen großen Teil seines erarbeiteten Vermögens dafür zu verwenden, seiner Heimatstadt Kassel ein Kinderheim zur Fürsorge und Erziehung zu stiften.

"Als bleibenden Ausdruck treuer Liebe und Anhänglichkeit biete ich meiner Vaterstadt Cassel an, auf meine Kosten die Gründung einer humanitären Stiftung unter dem Namen Stiftung der Brüder George und Conrad Lenoir, zum vornehmlichen Zwecke der Erziehung von Waisen ohne -Rücksicht auf Confession, Orts- und Landesangehörigkeit der Eltern"

 

So beginnt das Schreiben von Lenoir vom 14.12.1891 an den damaligen Kasseler Bürgermeister. Mit der Einbeziehung seines schon früh verstorbenen Bruders Conrad, den er sehr geliebt hatte, wollte der Stifter auch dessen Andenken gewahrt wissen. Wie schon gesagt, George André war ein Familienmensch.

 

Nun: die Gründung bzw. Stiftung eines Kinderheimes an sich ist noch nichts Besonderes. Diese Tatsache allein würde nicht begründen, warum George André Lenoir und seine Stiftung sich aus der Masse der anderen Stiftungen herausheben sollte. Zwar war sie finanziell gesehen eine der großten Stiftungen dieser Zeit. Aber auch die enormen Mittel, die dort hineinflossen, würden nicht ausreichen, um alleinig seinen Ruhm zu begründen. Dies hatte andere Gründe. Aber auf diese Gründe werde ich ein wenig später eingehen. Zunächst einmal die Fakten.

Durch kaiserlich-königlichen Erlass vom 23.8.1893 erhielt die Stiftung den Status einer juristischen Persönlichkeit und die Stadt Kassel durch Schenkungsvertrag vom 25.10.1893 einen ersten Betrag in Höhe von 2 Millionen Goldmark. Zinsansammlungen und reiche Nachschenkungen ließen das Stiftungskapital auf rund 6,5 Millionen bis zum Jahre 1913 anwachsen. Die "Allgemeine Waisenstiftung" wurde durch eine "Friedhofs-Stiftung", eine "Ausstattungs- und Stipendien-Stiftung"  sowie einem Unterstützungsfonds ergänzt.

Die "Friedhofs-Stiftung" diente dem Bau des Mausoleums als Ruhestätte der Eltern, des Bruders und später des Stifters selber. Zudem sollte das Mausoleum bzw. dessen eingefriedeter Bereich als Begräbnisstätte eventuell versterbender Kinder der Stiftung dienen. Dies wird manchmal angezweifelt; aber warum sollte George André Lenoir ansonsten - weithin und deutlich sichtbar - eine Tafel mit der Inschrift  "Friedhof der Stifung...."  anbringen lassen, wenn er diese nur für sich und seine Familie vorgesehen hätte? Nein; alles, was dieser Mann schuf, war wohl durchdacht und geplant. Und so ist diese Inschrift wörtlich zu nehmen. So entspricht sie seinem Wollen.

Diese Friedhofsstiftung war mit ca. 135.000 Goldmark ausgestattet. Im Vergleich zur Gesamtstiftung ein relativ kleiner Betrag.

Die "Ausstattungs- und -Stipendien-Stiftung" diente den Stiftlingen als Starthilfe zur Selbständigkeit, für evt. spätere Studienunterstützung oder als Aussteuer für die Mädchen bei einer späteren Heirat. Und der schon oben erwähnte Unterstützungsfonds sollte die ehemaligen Kinder auffangen, wenn sie im späteren Leben einmal in Not geraten sollten und der Hilfe bedurften.

Das Mausoleum wurde als erstes Bauwerk der Stiftung in der Zeit von 1903 bis 1904 errichtet. Der Stifter ließ es nach seinen Wünschen und Vorstellungen durch den Architekten und Baumeister Julius Eubell erbauen.

Das Mausoleum ist geprägt von italienisch-florentinischer Baukunst und von einer Sandsteinmauer mit schmiedeeisernem Zaun eingefasst. Der italienische Stil liegt wohl darin begründet, dass Geoge André die kalten Monate im Meran in seinem - und später zur Stiftung gehörendem - Hotel Meraner Hotel verbrachte. 

Ein wenig zur Architektur: Zentrum des Mausoleums ist die Mittelhalle über quadrischem Grundriss mit oktogonalem Tambour und abschließender Haube. Neben der Mittelhalle befinden sich jeweils rechts und links Zwillingsbogen mit schlanken Säulen. Die Arkaturen enden zu beiden Seiten in Annexen, die in vereinfachter Form den zentralen Hauptbau rezipieren.....soweit alles verständlich??? :-)

Das einfachste ist es, sich das Gebäude einmal selber zu betrachten. Nicht jeder kann Architekt sein oder muss sich für diesen Fachbereich erwärmen. Das eigene Auge und das Herz sehen oftmals viel mehr. Die kleinen Details; manches fällt einem erst auf, wenn man das Große, das Offensichtliche bestaunt hat und dann sich die Zeit nimmt, die kleinen Hinweise zu beachten. Oder wenn man - mit ein wenig Hilfe - die "Ädikula" (hier: kleiner Aufbau zur Aufnahme eines Standbildes) genauer in Augenschein nimmt. Dem Stifter war wohl bewusst, dass ein Bild mehr aussagt, als es Worte vermögen. Aus diesem Bildnis kann man wunderbar die Liebe herauslesen, die den Stifter mit seinem Werk verband; den von ihm gewollten hochherzigen Zweck. In der Chronik der Familie le Noir von Ida Ullman beschreibt sie es so:

"Es zeigt im Hintergrund auf einer Ruhestätte die toten Eltern dreier Kinder. Diese werden liebreich von einem Jüngling aufgenommen. Ersteht ganz im Vordergrund und hat das jüngste Kind auf dem Arm. Ein etwa fünfjähriger Junge hält vertrauensvoll das Gewand des Jünglings gefasst, als wolle er bei ihm Schutz suchen. Die größere Schwester kniet auf der anderen Seite und blickt zu ihrem Helfer empor."

 

Und man sollte sich sich schmiedeeiserne Abtrennung einmal betrachten. Bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass die Stäbe Herzen darstellen. Als Symbol der Liebe. 

Man kann vieles entdecken, wenn man mit offenen Augen und offenem Herz sieht.

Nach der Fertigstellung ließ Geoge Andre´  seine Eltern und seinen Bruder überführen. Nach seinem Tod diente es dann auch als seine eigene Ruhestätte.

Rechts und links des Weges sind weitere acht Personen bestattet. Leider ist mir nur wenig über sie bekannt, da es mitunter sehr schwierig ist, Auskünfte zu erhalten. Nicht alle Behörden und Verwaltungen sind kooperativ; das Warum ist mir schleierhaft. So ist es schwierig, auch diesen Menschen ein würdiges Andenken zu ermöglichen. Soweit mir bekannt, liegen dort:

August Lecke, gest. am 7.8.1914

Peter Schneider, gest. am 23.7.1926

Karl-Heinz Heuring, gest. am 16.2.1928

Otto, Vorname unbekannt gest. während des 2. Weltkrieges

Linke, Vorname unbekannt, gest 1942 (es handelt sich wohl um ein Kind)

Kind einer Fremdarbeiterin; gest während des 2. Weltkrieges (der Name ist unbekannt)

Elise Möller, gest. am 8.3.1919

Herta Rauhbach, gest. am 26.7.1922

 

Die Gräber wurden in den 60-er Jahren eingeebnet.

 

 

Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wirkt hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten "normalen" Texten nicht gelingt.



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